Kreativität

 

​Als Kind spielte ich am liebsten draussen. Ich liebte es, beim Besuch eines Tierparks, die verschiedenen Tiere zu beobachten und ihre Körperformen mit Linien zu folgen. Als Erwachsene arbeitete ich einige Zeit als Telefonistin. Wenn Mal kein Anruf reinkam, kritzelte ich Fantasiefiguren auf die harte Rückseite von Notizblöcken.

Als ich 30 war fing ich an, öfters in meiner Freizeit zu malen. Ich zeichnete unterwegs Objekte, Menschen wie auch Landschaften. Zu Hause hatte ich an der Küchenwand eine 2 Meter hohe Malplatte befestigt. Ein grosses weisses Blatt wurde daran fixiert.

Meine anfänglichen Improvisationen zeigten ein Chaos. Was ich vor mir sah, erschreckte mich. Es war ein Wiederentdecken meiner Gefühle, die jahrelang in mir vergraben waren. Ich bot ihnen durchs Zeichnen und Malen einen Raum, um sich auszudrücken. Etwas in mir fing an durchzuatmen, sich zu bewegen, sich zu entspannen, der innere Nebel löste sich, die Sicht wurde klarer. ​

Nach ein paar Monaten intensiver Auseinandersetzung mit mir und dem Papier, legte ich den Pinsel auf die Seite. Ich wollte mich anders ausdrücken. Die bisherigen Papiere waren zu gross geworden. Ich wählte Neu kleinere Formate, ein schwarzer Filzstift kam hinzu.

Wieder ein weisses Blatt vor mir, ich suche die Mitte, setze einen Punkt. Eine Linie entsteht, sie ist schmal, fliessend, sich ausdehnend. Manchmal zeigt sich eine zweite, sie begegnen sich, trennen sich, kommen zurück oder suchen die Weite.​

Während dieser Zeit besuchte ich Kurse in der Roten Fabrik in Zürich zum Thema „Kunst“. Bei Sirpa Suhner lernte ich das „anthroposophische Malen mit Wasserfarben“ kennen.

Während der Ausbildung als Maltherapeutin, tauchten wir Schüler in die Welt der Farben, Formen und Gefühle ein. Wir probierten aus, hatten stets neue Aufgaben zu lösen, öffneten unsere Herzen und hinterliessen an den Malwänden ungewöhnliche bunte Bilder. Im ersten Jahr sollten wir täglich etwas Kreatives tun, ich entschloss mich, mit Linien weiter zu experimentieren.

2005 eröffnete ich ein eigenes Malatelier, wo Jung und Alt mich besuchten. Einige davon wurden später selber Künstler, andere verarbeiten ihre Biografie, andere suchten Trost im Zeichnen und Malen als schwere Krankheiten sie heimsuchten, wieder andere waren hier zum Spass, um sich selbst zu sein und gelegentlich, um das Vorurteil „du kannst nicht oder ich kann nicht Malen“ abzubauen.  Ja, es verlangt Mut, etwas Neues zu wagen. Ich beobachtete mit Freude wie manch kleiner und Grosser Maler nach ein bis zwei Stunden mit einem Lächeln aus dem Atelier ging.

2007  Erste Einzelausstellung, viele weitere folgten.

2011  6-monatiges Praktikum in der Kunsttherapie-Abteilung des SPZ in Nottwil. Dort erlebte ich hautnah, wie heilsam und unterstützend das Malen für Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, sein kann.

2013 bis 2018 betreute ich sehbehinderte Senioren in einem Heim. Das Thema Licht und Schatten war stets präsent. Die Menschen erfuhren durch meine Augen, was sie selber nicht sehen konnten, und ich erlebte mit ihnen die feinen Nuancen von Sehen- und Nichtsehen.​

2018 brachte eine Wende. In meinen linearen Zeichnungen fanden Farben ihren Platz.

2019 war geprägt  von inneren und äusseren Veränderungen.Um mich abzulenken, beobachtete ich die verschiedenen Vögel in meinem Garten. Ich fragte mich woher sie kamen und wohin sie gingen. Ihr Klang berührte meine Seele.

In 2020 unterliegen wir, bedingt durch die Corona-Krise, Einschränkungen. Ich trotze der Isolation, indem ich mit Filzstifte und Pinsel jongliere. Vergleichbar den Menschen und Pflanzen und Tieren, gibt es in der Kunst Farben die sich mögen und anderen die sich nicht vertragen. Die Vielfalt der Nuancen, die sich mir bei Malen mit Farben aller Art Neu auftut, überrascht mich immer wieder.

Es entstehen neue Zeichnungen, lebendig und kräftig. Dies möchte ich mit Ihnen teilen.




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